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Mein berufliches Selbstverständnis in der AUFSTELLUNGSARBEIT:


In einer Aufstellung wird das Innenleben des Klienten sichtbar und dadurch auch handhabbar gemacht.
Dabei werden nicht nur Gedanken und Glaubenssätze sichtbar, sondern auch Empfindungen, Gefühle, Beziehungen zu Anderen und innerliche Blockaden und Hemmnisse.

In der Regel stellt der/die Klient/in intuitiv mit Hilfe von Stellvertreter/innen sein/ihr "THEMA" auf. Durch diese "Externalisierung" entsteht sofort eine erste Entlastung beim Klienten, weil er/sie sich bereits jetzt ein Stück weit von seinem/ihrem inneren Chaos distanzieren kann.

Durch den Blick auf das "Gesamtbild" entstehen bereits neue Perspektiven und Wahlfreiheiten.
Dann kann der Klient mit Hilfe des Therapeuten anfangen, einzelne Aspekte des Systems genauer zu erforschen. Indem die Repräsentatenten befragt werden, wie sie sich fühlen und was sie sich an positiver Veränderung wünschen, entsteht eine Dynamik hin zu mehr Ausgeglichenheit und Ausbalanziertheit.

Die Stellverteter, der Protagonist und der begleitende Therapeut erarbeiten ein "Lösungsbild", in das der Klient dann am Schluß eintreten kann, um es - wieder intuitiv - in sich aufzunehmen. Die Lösung des Problems im Alltag entsteht dann dadurch, dass der/die Klientin bereits in der therapeutischen Situation erlebt hat, dass eine Lösung möglich ist und auf welchem Weg sie erreicht werden könnte.

Diese ganzheitliche Methode geht weit, weit über jedes Gespräch und über jede andere therapeutische Methode hinaus, in der immer nur einzelne Kanäle (Körper, Sinne, Intellekt) genutzt werden, um nach einer Veränderung oder Verbesserung der Lebenssituation zu suchen.
Oft werde ich gefragt, ob ich "nach Hellinger" aufstelle. Eine ausführliche Stellungnahme dazu finden Sie weiter unten. Auch wenn Hellinger sich sehr um die Systemische Familienaufstellung verdient gemacht hat, so war er weder der erste, der diese Methode entwickelt hat, noch war er unfehlbar. In therapeutischen Fachkreisen ist vor allem das Welt- und Menschenbild umstritten, das er mit seiner Methode transportiert, weniger das Handwerkzeug an sich.

 

Mein berufliches Selbstverständnis bei Einzel-, Paar und Familienberatungen:

In der Beratungssituation begegnen sich für mich
zwei Menschen auf einer gleichwertigen Ebene.

Der eine ist in eine Situation verstrickt, in der er/sie aus eigener Kraft und mit den bis dahin erworbenen Mitteln nicht weiterkommt. Der andere stellt seine beruflichen und persönlichen Erfahrungen, sein Wissen und seine Neutralität zur Verfügung, um gemeinsam einen Ausweg zu suchen.
Keiner von beiden kennt „die Wahrheit“ besser, als der andere, keiner hat „mehr Recht“, als der andere. Beide betrachten die Situation aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Zusammenspiel dieser beider Perspektiven entsteht etwas NEUES.

Die Beratung kann sich auf ein bis drei Sitzung beschränken, um mit einer konkreten, überschaubaren Fragestellung weiterzukommen. Sie kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, um strukturelle Veränderungen herbeizuführen, bzw. zu begleiten.
Oft kommen Ratsuchende zu mir auch in größeren Abständen von Jahren, da sie es zu schätzen wissen, dass ich ihren Hintergrund kenne und ihre Entwicklungsschritte mitverfolgt habe.

Ich unterstütze die Selbstheilungskräfte des Systems Mensch-Familie-Umwelt, gebe Hilfe zur Selbsthilfe und stelle mich als Anker im Strom der Gefühle und Ereignisse zur Verfügung.

ORT:  München

PREIS: 
Die Probesitzung und die ersten fünf Sitzungen kosten jeweils 50.- Euro/Std.,
jede weitere 60.- Euro/Std. (buchbar in Fünferblöcken)

  

Aus einem Interview von Gabriele Heise mit Bert Hellinger
im Rahmen der Reihe NDR TALK auf VIER vom 14./15.Oktober 2001

Mein Kommentar dazu:

HEISE:  Bert Hellinger, (...) Die Methode, die Sie anwenden, ist die Methode der Aufstellung. Das findet man inzwischen in vielen Kleinanzeigen, in z. B. der Zeitschrift "Psychologie Heute"; also die Aufstellungen werden immer mit Ihrem Namen in Verbindung gebracht. Wie kann es gehen, dass eine Aufstellung so rasch Lösungen aufzeigen hilft?

Vielleicht müssen wir kurz erklären, was eine Aufstellung ist, denn das wissen natürlich nicht alle Hörer. Der Klient, der zu Ihnen kommt, wählt aus der Gruppe, in der er arbeitet, Mitglieder aus, die wichtige Familienmitglieder repräsentieren sollen und stellt sie im Raum auf. Daraus können Sie eine Dynamik erkennen, die in dieser Familie herrscht. Es gibt nicht viele Worte von Ihnen, es wird nicht diskutiert, es wird nicht erklärt, was Sie dann tun. Sie zeigen dem Klienten, in welchen Problemen diese Familie verstrickt ist, wo es Blockierungen gibt, wo Schmerz, wo Trauer nicht ausgedrückt werden konnten und helfen ihnen mit wenigen Worten oft, zu sehen, wo die Lösung liegen könnte.

Das heißt, Sie verkürzen einen Prozess, der bei anderen Therapeuten oft über Stunden, Monate, Jahre dauern kann. Sie verdichten etwas ganz pointiert und am Ende kommt tatsächlich sehr viel in Bewegung.

Wie machen Sie das? Was wirkt in dieser kurzen Zeit? Haben Sie schon Erklärungen dafür gefunden?

HELLINGER:  Gewisse Erklärungen habe ich schon gefunden. Ich mache nämlich im Grunde gar nichts. Ich vertraue auf das, was da ans Licht kommt durch die Aufstellung. Denn das Merkwürdige bei einer Aufstellung ist, dass die Stellvertreter, sobald sie aufgestellt sind, fühlen wie die Personen, die sie vertreten. Das ist ein ganz überraschendes Phänomen. Sie bekommen sogar deren Symptome. Manchmal fällt einer rücklings auf den Rücken, ganz plötzlich, mit einem Knall auf den Boden, ohne dass er das steuern kann. Die Vertreter werden also von einer größeren Kraft in Besitz genommen.

Bei dieser Methode macht der Therapeut sehr viel. Er steuert die Aufstellung, indem er zuerst sehr zielorientiert nach der Geschichte der/des Klienten/in fragt und dann aufgrund der eigenen Wahrnehmungen den (Entwicklungs-)Prozess in eine imaginäre, lösungsorientierte Zukunftskonstellation vorantreibt.

Das „Lösungsbild“ ist aber erst der allererste, kleinste Schritt auf dem Weg zu einer anderen, neuen, befreiteren Lebenspraxis.

Bei seiner "neuen Form" des Familienstellens erfragt Hellinger gar kein "Anliegen" mehr, sondern läßt die Stellvertreter nur noch eigenständig agieren. Dazu nehme ich wie folgt Stellung:

Lieber Bert,
 

du hast nix verstanden von der Macht des Unterbewusstseins. Die "göttliche Führung", die du propagierst übernimmt das kollektive Unbewusste. Leider wird es gespeist von den kollektiven Werten und Normen.
 

Außerdem spielt deine Anwesenheit eine große Rolle. Die Stellvertreter + das Publikum wissen durch deine jahrzehntelange Medienpräsenz, was DU willst und denkst. Durch deine nonverbale Kommunikation (Mimik + Gestik) steuerst DU den Prozess.
 

DU inthronisierst DICH als Gastgeber des göttlichen Wirkens. Also immer noch die alte Priester-Arroganz. Es entsteht aber nix neues "Göttliches", sondern es wird DEINE selffullfilling prophecy inszeniert, immer und immer wieder. Das mag sich für dich wie ein "schöpferischer Akt" anfühlen, (so wie es die Institution Kirche seit Jahrtausenden für sich in Anspruch nimmt) es ist aber letztlich rückwärtsgewandt.

HELLINGER:  Das zeigt, dass das, was wir oft von uns sagen, "Ich bestimme mein Leben" oder "Ich habe das im Griff, ich will das steuern", hier, in dem Zusammenhang, als völlig oberflächlich erscheint. Es zeigt sich, dass wir von viel größeren Kräften getrieben sind.

HEISE:  Oder getragen werden?

HELLINGER:  Beides, genau. Und jetzt arbeite nicht ich, sondern ich lasse diese größeren Kräfte sich zeigen. Sie zeigen sich aber erst, wenn man nicht redet, wenn der Therapeut nicht sucht, etwas Bestimmtes zu erreichen. Sondern er schaut, wenn das aufgestellt ist, was passiert von selbst. (...) Erst dann greift der Therapeut ein.

HEISE  Das ist sehr geheimnisvoll. Sie sagen, da wirken höhere Kräfte, Kräfte, die sich unserem Verständnis noch entziehen. Sie haben es trotzdem geschafft, einige Grundordnungen zu entziffern, auf die Sie immer wieder gestoßen sind. Selbst wenn Sie nicht genau wissen, warum sie wirken, es gibt sie. Zum Beispiel sagen Sie, dass hinter Schmerz und Konflikt eigentlich immer wieder blockierte Liebe ist. Vielleicht erklären Sie das. Das ist so ein wichtiger Satz. Was passiert mit der Liebe, wenn daraus Schmerz entsteht?

HELLINGER  Bei dem Beispiel, das ich gerade gebracht habe, konnte man sehen, wie am Ende alle versöhnt waren. Also die Frau mit ihrem Freund, der offensichtlich auf Anstiftung von ihr umgebracht wurde; am Ende, wenn sie den Schmerz fühlt, können die beiden sich vergeben. Auch der Mörder und sein Opfer waren am Ende versöhnt. Und der Mörder und sein Sohn waren am Ende versöhnt. Weil die alle etwas in Ordnung gebracht haben, was nur sie in Ordnung bringen können, wurde der Nachfahre, also dieser gewalttätige Mann, aus dem Druck befreit, dass er irgendetwas auf sich nehmen muss. Hier, in diesem Zusammenhang, ist etwas ganz Entscheidendes zu beobachten. Das ist mir erst in der letzten Zeit so ganz deutlich geworden. Die Täter, also hier dieser Mörder, können nicht ausgeschlossen werden. Das ist natürlich in Deutschland ein ganz besonderes Thema. Wir meinen, wir könnten etwas lösen, wenn wir die Mörder, die NS-Mörder, verdammen und uns über sie erheben. In dem Augenblick, in dem wir uns über sie erheben, meinen wir, wir seien besser. Das haben genau so auch die Mörder gemeint. Sie haben sich besser gefühlt als die Opfer. Gerade weil sie sich besser gefühlt haben, wurden sie gewalttätig. Man kann das genau sehen. Die am heftigsten gegen diese Täter demonstrieren, sind gewalttätig. Also, sie werden wie die, die sie bekämpfen.

Der Täter kann sich erst verändern, wenn auch er geliebt wird. Das ist schwere Kost.

Bei dieser Methode wird hemmungslos die Grenze zwischen physischer Welt und metaphysischen Existenzformen überschritten. Die „größeren Kräfte“ oder der „Druck“ verstorbener Vorfahren werden als stärker und lebensbestimmender eingeschätzt, als die individuelle, intellektuell gesteuerte Willensentscheidung des einzelnen Individuums.

Die (Er-)lösung basiert auf „Entscheidungen“ der Vorfahren, die diese zu Lebzeiten nicht getroffen haben und die deren Stellvertreter dann während der Aufstellung treffen.

Es wird so getan, als würden die "Seelen" der Verstorbenen agieren. Tatsächlich bewegt sich das ganze Geschehen aber nur innerhalb der Vorstellungswelt der Protagonisten.

HEISE  Wenn Sie Lösungen anbieten bei Aufstellungen oder auch bei diesen Konflikten, die Sie jetzt schildern, dann klingen die oft sehr archaisch, sehr fundamentalistisch. Es gibt viele Menschen, die Sie deswegen auch kritisieren und sagen, Bert Hellinger baut sich zum neuen Heilsbringer auf. Er ist ein Guru. Er gängelt Menschen und nimmt ihnen die persönliche Verantwortung ab, indem er schwerwiegende Aussagen über richtig und falsch, Schuld und Sühne macht und die Leute dazu bringt, sich ihm zu beugen. Dieses Archaische klingt zum Beispiel an, wenn Sie sagen, man muss sich in Demut neigen oder man muss jemandem die Ehre erweisen. Wieso wählen Sie diese altertümlichen Formulierungen, die so schnell den Protest auch wecken und die Leute so aufschrecken?

HELLINGER  Diese Formulierungen sind nicht altertümlich, sie sind fundamental. Das ist etwas völlig anderes. In der Zeit des Individualismus, wo jeder meint, oder viele meinen, das, was sie denken, sei richtig und dass sie die Welt nach ihren Bildern formen können, ist das natürlich eine Umstellung. Aber all das, was ich sage, zeigt sich in einer Familienaufstellung an der Wirkung. Es ist also nicht ausgedacht. Jeder kann es überprüfen. Es ist merkwürdig, Sie haben am Anfang gesagt, ich sei umstritten. Es gibt kaum jemanden, der mich interviewt, der nicht diesen Satz bringt, ich sei umstritten.

Wieso eigentlich? Ich selbst streite mich mit niemandem. Ich berichte nur, was sich zeigt, und wer meint, das sei nicht akzeptabel, dem mache ich den Vorschlag, er soll mit den Personen, mit denen ich arbeite, auch arbeiten und schauen, ob er eine bessere Lösung findet. Denn dann wird sofort an den Reaktionen der Teilnehmer deutlich, ob er im Einklang ist mit etwas Größerem oder ob er nur seinen eigenen Gedanken nachgeht. Das wird sich da auch zeigen. Wenn er ein besseres Ergebnis hat, beuge ich mich ihm.

(...)

HEISE  Dieses große Publikum, was Sie bei Ihrer Arbeit oft haben, ist ja auch ein Teil der Vorwürfe, dass es heißt, Sie würden da voyeuristische Bedürfnisse bedienen. Die Leute nehmen teil an einer Seelenarbeit, die oft sehr aufregend ist, sehr erschütternd, wo geweint wird, gebrüllt wird, wo durchaus auch ganz tiefe Emotionen geweckt werden, ohne dass die Zuschauer selbst etwas riskieren. Was macht das für einen Sinn, mit so vielen Leuten im Raum so intime und persönliche Prozesse zu thematisieren?

HELLINGER  Ich arbeite nicht mit Klienten vor einem Publikum, ich arbeite mit dem ganzen Publikum mit Hilfe des Klienten. Das ist ein großer Unterschied. Denn diese wesentlichen Gesetze berühren jeden unmittelbar. Deswegen ist die Erschütterung nicht nur bei denen, die mit mir auf der Bühne arbeiten, sondern im ganzen Publikum. Da fließen die Tränen auch. Und oft löst sich etwas bei den Einzelnen, ohne dass sie mit mir arbeiten müssen. Das ist eigentlich der Prozess. Insofern ist er nicht voyeuristisch.
Genau das Gegenteil, jeder wird in etwas miteinbezogen und kann an seiner eigenen Seele erfahren, ob es stimmt oder nicht, ob es eine gute Wirkung hat oder eine schlimme.

HEISE  Es gibt ja inzwischen 200 Therapeuten oder mehr, die versuchen, Ihre Methode auch mit anzuwenden. Zum Teil haben sie direkt bei Ihnen auch gelernt. Wie können denn Leute, die sich für dieses Aufstellen nun interessieren und sagen, oh das würde ich auch gern mal probieren, ich würde gern mal wissen, was in meiner Familie für ein Thema war, was verdrängt worden ist, was für ausgestoßene vergessene Menschen es in meiner Geschichte gegeben hat, wie können sich diese Menschen jetzt den richtigen Aufsteller suchen? Denn das ist ja was sehr Heikles und sehr Persönliches. Da möchte man ja nicht verletzt am Ende rausgehen. Haben Sie da eine Empfehlung, wie man da den richtigen Therapeuten mit dieser Methode sucht?

HELLINGER  Also, erstens habe ich niemanden ausgebildet. Ich biete grundsätzlich keine Ausbildungen an. Es gibt aber Therapeuten, die viel Erfahrung haben. Die haben verschiedene Kurse von mir besucht, Bücher von mir gelesen und haben dann angefangen, auszuprobieren, haben ihre Erfahrungen gemacht und bieten das an. Die einen haben mehr Erfahrung, die anderen weniger. Bei dieser Methode kommt es vor allem auf die Grundhaltung an.

Diese Methode entspricht sehr dem Zeitgeist, in kurzer Zeit eine Menge bewegen können zu wollen. Sowohl der Therapeut, als auch der Klient werden als Supermänner/-frauen imaginiert. Das, was sich jahre- und jahrzehntelang angestaut hat, soll in kurzer Zeit (auf-)gelöst werden. Insofern phantasieren sich beide Seiten in einen Schöpfungsrausch hinein.

Hellinger übernimmt meiner Meinung nach zu wenig Verantwortung für den Irrglauben, die Therapeuten, die „nach Hellinger“ arbeiten seien seine Schüler. Offenbar ist kein einziger Mensch bis zum Zeitpunkt des Interviews von ihm autorisiert worden, in seinem Namen zu arbeiten. Woher kommt dann dieser Irrglaube?
Warum übernimmt er nicht die Verantwortung dafür, warum gründet er keine Schule, erstellt keine Lehre oder wenigstens Qualitätskriterien?

Es stimmt, dass er sich dem Publikum und der Öffentlichkeit stellt, aber was ist mit all' den anderen Aufstellern, die vermeintlich in seinem Namen tätig sind? Wo bleibt da eine Kontrolle? Immerhin arbeiten sie in der Regel mit schwerverletzten Seelen.

HELLINGER  Nun braucht es aber vom Therapeuten her eine Haltung und eine Kraft, dass er den Raum bereitet, in dem sich das zeigt. Das kann sich nur zeigen, wenn der Therapeut keine Angst hat. Keine Angst vor dem, was hochkommt, auch keine Angst vor dem, was Leute vielleicht sagen, wenn er das und das macht. Sobald er nämlich aus Angst etwas macht oder unterlässt, ist er nicht mehr im Einklang mit den eigentlichen Kräften, sondern er richtet sich nach Leuten, die meinen, die können es besser oder die ihm feindlich gesinnt sind. Dann ist er schon aus dem Kontakt heraus und die Aufstellung kann nur vordergründig sein.

Und er muss ohne Absicht sein, auch ohne die Absicht zu heilen. Die einzige Absicht ist, dass das, was da ist, sich zeigen darf, und dass aus dem, was sich zeigt, sich auch die Lösung zeigen darf. Es braucht also eine äußerste Zurückhaltung. Viele halten das nicht aus. Die gehen zum Beispiel gleich zu den Stellvertretern und fragen "Wie fühlst du dich.?" und bekommen dann aus den Rückmeldungen der Stellvertreter das Bild.

Aber das Bild zeigt sich unmittelbar. Wenn man diese äußerste Zurückhaltung durchhält, und das kann manchmal 15 Minuten dauern, bis überhaupt etwas passiert, dann zeigt sich was. Wer das nicht aushält, der kann vordergründige Familienaufstellungen machen aber nicht die, die wirklich in die Tiefe gehen. Es ist oft so, dass ich aufstellen lasse und dann mache ich überhaupt nichts, sondern es entstehen Bewegungen in den Stellvertretern, die zeigen, erstens was los ist und zweitens wo die Lösung liegt. Der Therapeut macht praktisch überhaupt nichts. Es wird alles in andere Hände gelegt sozusagen. Wer das machen kann, der ist ein guter Therapeut. Wer einen guten Therapeuten sucht, der soll solche fragen, die vorher bei ihm waren. Dann bekommt er eine Rückmeldung und kann sich danach richten.

Auf der anderen Seite habe ich eine ganz extreme Meinung. Kein Therapeut kann einem Klienten schaden. Er kann ihm nur schaden, wenn der Klient das will. Aber jeder ist völlig frei. Wer meint, er könnte, wenn etwas nicht gelungen ist, den Therapeuten anklagen, was will er damit erreichen? Er erreicht nur, dass er nicht auf sich schaut. Jede Therapie ist mit einem gewissen Risiko verbunden, aber jeder kann aus der Situation für sich etwas gewinnen. Ich war in vielen Therapien und bei vielen Therapeuten, wo ich manchmal gesehen habe, hier läuft etwas völlig falsch. Ich habe das an mir abfließen lassen und konnte das, was sie an Gutem gebracht haben, annehmen und aufnehmen. Auch von solchen Therapeuten habe ich viel gelernt.
Also, der Therapeut braucht nicht vollkommen zu sein, er darf auch ein Mensch sein. Wenn er ein Mensch unter Menschen ist, dann arbeitet die gesamte Gruppe, nicht nur der Therapeut. Von ihr wird dann der Einzelne getragen.

HEISE  Das heißt, Sie geben auch die Verantwortung an denjenigen, dessen Problem bearbeitet wird und sind nicht der Therapeut, der ihn nun vor Schaden schützen muss und die Folgen überblicken muss und möglichst dann auch noch eine Nachbehandlung und Nachsorge verantworten muss. Das endet mit der Aufstellung und die Verantwortung liegt beim Klienten selbst.

HELLINGER  Das andere folgt ja dem Eltern-Kinder-Modell. Viele Therapeuten verhalten sich dem Klienten gegenüber, als seien sie die Eltern und der andere sei das Kind und müsse in Schutz genommen werden. Damit bringen sie den in eine tiefe Regression und machen ihn damit unfähig. Das mache ich nicht. Ich behandle jemanden immer als ein ebenbürtiges Gegenüber. Vor allem wird das, was dann später herauskommt, von seiner Seele geleistet, von niemand anders. Sobald da jemand eingreift von außen, wird es oft schlimmer.

HEISE  Ihre Methode heißt ja auch, dass Sie eigentlich keine Beziehung zu dem Klienten eingehen. Eine Beziehung, auf die er für die nächsten Wochen, Monate oder Jahre bauen kann, sondern Sie geben einen Anstoß, und dann ziehen Sie sich zurück. Das ist ja der Unterschied. Normalerweise gehen Klienten und Therapeuten ein Bündnis ein miteinander, einen Vertrag, man verpflichtet sich, für eine Weile wenigstens, zusammenzuarbeiten, und wenn man gehen möchte, ist das eine etwas umständliche Zeremonie, man muss sich verabschieden. Also, das ist alles sehr ritualisiert und erfüllt auch seinen Zweck natürlich unter den Bedingungen, unter denen normale Therapeuten arbeiten. Das alles machen sie nicht, Bert Hellinger?

HELLINGER  Nein, ich habe nur einen Vertrag für die Zeit der Aufstellung. Ich stelle mich da voll zur Verfügung, und nachher ist es vorbei. Deswegen will ich auch nicht wissen, was später mit dem war. Ich halte mich da völlig raus.

Das Verhältnis zwischen Therapeut und Klient wird von Hellinger meines Erachtens völlig falsch verstanden.

Einerseits stimmt es natürlich, dass es die freie Entscheidung (und Verantwortung) des Klienten ist, ob er sich auf diesen Prozess und diese Therapieform einlassen will. Andererseits bedeutet diese Arbeit aber auch eine Begegnung mit den schwierigsten und traumatisierendsten Themen des eigenen Lebens. Wenn in dieser Begegnung nun keine Lösung gefunden wird, oder noch schlimmer, wenn der/die Klientin in diesem Prozess möglicherweise in seinen Angst- und Schuldgefühlen noch bestärkt wird, dann ist am Ende zu allen bereits bestehenden Belastungen, Enttäuschungen und Verletzungen eine weitere Blockade dazugekommen. Diese möglicherweise zusätzliche Hürde kann es sehr wohl noch viel schwerer machen, aus dem Teufelskreis der Verstrickungen herauszukommen.

Der Therapeut kann also durchaus Fehler machen und somit schuldig werden.

HELLINGER  Ich arbeite immer mit Einzelnen, ich arbeite niemals mit einem Kollektiv. Nur wenn in der Arbeit mit einem Einzelnen etwas hochkommt von größeren Zusammenhängen, wenn es zum Beispiel in der Familie viele gab, die im Holocaust umgebracht wurden, dann nehme ich die mit herein. Also, diese Toten nehme ich mit herein. Die wirken nämlich nach.

Das ist eine andere wichtig Erfahrung bei der Familienaufstellung, denn die Verstorbenen werden ja auch aufgestellt und sie reagieren wie die Lebenden. Es ist manchmal ganz klar, dass bei den Toten etwas noch nicht in Ordnung ist und dass sie von den Lebenden noch etwas erwarten, zum Beispiel eine Anerkennung oder Trauer.

(...) Bei Familienaufstellungen kann man sehen, wenn man die toten Opfer aufstellt und man lässt die Nachkommen sich vor ihnen verneigen und ihnen sagen: "Jetzt gebe ich dir die Ehre, jetzt gebe ich dir einen Platz in meinem Herzen.", dann wachen die Toten gleichsam auf aus einer Dumpfheit, die sie vorher gefühlt haben, und werden auf einmal erleichtert. Besonders wenn man ihnen dann sagt: "Wir haben Kinder, es ist gut weitergegangen." Dann sind sie beruhigt und können in Frieden sein.

Die Nachkommen der Täter schauen die Opfer auch an und trauern zusammen mit den Nachkommen der Opfer mit den Toten und um die Toten. Das hat eine tiefe versöhnende Wirkung.

In dem Bereich der Täter-Opfer-Konstellationen und der Unterbrechung von Gewalt-Ketten scheint die Aufstellungsarbeit sehr wirkungsvoll zu sein, wenn sich die Teilnehmer/innen auch auf die dafür notwendige Trauer(arbeit) einlassen.

HELLINGER  Ich bringe ein Beispiel. (...) Da ging es darum, zu zeigen, wie verschieden die Israelis und die Palästinenser beschreiben, wie es dazu kam, dass die Palästinenser aus Palästina weggegangen sind. Sie haben mich gebeten, ob ich nicht mit meiner Methode zeigen kann, was da getan werden könnte. (...)

Ich habe fünf Vertreter ausgewählt für die Palästinenser und habe nur jüdische Mitbürger dafür genommen, damit sie sich besser einfühlen können, wie das für die Palästinenser ist. Ihnen gegenüber habe ich fünf Vertreter aufgestellt für die Israelis. Von den Palästinensern hat eine Frau immer auf den Boden geschaut. Bei einer Aufstellung heißt das, sie schaut auf einen Toten. Dann habe ich einen Stellvertreter für die Toten dazwischengelegt. Es gab keine Verbindung zwischen den Palästinensern und den Israelis. Ganz langsam sind die Palästinenser alle zu Boden gegangen in ganz tiefer Trauer. Einer der Israelis fiel rücklings auf den Boden und hat laut geschluchzt. Dann kam die Trauer auch bei den Israelis hoch. Danach habe ich es abgebrochen und habe die Einzelnen sagen lassen, was sie gefühlt haben.

Es war ganz klar: Bei den Palästinensern hat keiner eine Forderung an die Israelis gestellt, von wegen ihr müsst das und das zurückgeben. Die einzige Forderung war: Seht, was wir gelitten haben und weint mit uns über das, was geschehen ist. Bei den Israelis war es genauso. Unter ihnen sind ja viele auch Nachkommen von Opfern. Die Palästinenser haben auf einmal gesehen: Das sind ja auch solche, die viel Leid getragen haben, sodass beide sich in der Trauer, in der gemeinsamen Trauer um das, was geschehen ist, verbinden konnten. Aus dieser gemeinsamen Trauer können sie dann verhandeln, wie sie Dinge in der Gegenwart lösen können, ohne auf alte Forderungen zurückzukommen. Die schauen dann nach vorne.

Das ist das Wichtigste bei der Versöhnung, dass man das Leid des anderen sieht, das Leid, was man ihnen angetan hat, was sie erlitten haben, und dass die anderen auch das Leid sehen, das man selbst hat und was auch sie einem angetan haben. Dann ist das wie vorbei. Das geht aber nur von Person zu Person.

In der emotional aufgeheizten Atmosphäre einer Großveranstaltung, in der die Stellvertreter im Fokus eines großen anteilnehmenden Auditoriums stehen, kann sich der Schmerz und die Trauer wohl viel einfacher durch die innerpsychischen Barrieren hindurch Bahn brechen, als dies in kleineren Gruppen, oder gar in einzeltherapeutischen settings der Fall ist.

Die Frage ist nur, wie tragfähig ist dieser Zugang zum eigenen Mitgefühl und wie lange bleibt dieser Kanal geöffnet.

HEISE  Sie sind ja in ihrem Leben auch aus Organisationen oder Systemen ihrerseits oft rausgegangen. Sie sind auf den Weg der Abweichler oft gegangen. Sie haben die Psychoanalyse zwar gelernt, aber Sie haben diese exklusive Gesellschaft dann auch wieder verlassen, als es Ihnen zu eng wurde. Sie haben von Eric Berne die Transaktionsanalyse gelernt aber dann auch mehr daraus gemacht, als er das damals machen konnte. Virginia Satir war eine Lehrerin, Arthur Janov war ein Lehrer von Ihnen und überall haben Sie daraus einen ganz eigenen Weg gemacht. Wie meinen Sie denn, möchten Sie in die Geschichte der Psychotherapie eingehen. Von welchen Elementen Ihrer eigenen Entwicklung denken Sie würden andere profitieren, wenn sich das erhalten ließe.

HELLINGER  Ich habe eine Erfahrung gemacht. Als ich das erste Mal Familientherapie gesehen habe und teilgenommen habe an Kursen über Familientherapie habe ich gedacht, das ist das Richtige. Dann habe ich mich entschlossen, es nicht zu machen, sondern bei dem zu bleiben, was ich bisher schon gut gemacht habe, von dem ich gesehen habe, das ist gut. Und von ganz alleine wurde daraus Familientherapie. Das ist eigentlich auch, was ich Kollegen vorschlage, die fragen, was soll ich eigentlich machen.
Mach genau das, was du immer gemacht hast und sehe, wo deine Seele dich hintreibt. So wird jeder auf eine eigene Weise geführt. Deswegen habe ich auch keine Schule und keine Schüler, die nach einem gewissen Muster vorgehen. Denn ich entwickle mich die ganze Zeit und ich bin über das, was ich vor einigen Jahren gesagt habe, weit hinaus gewachsen. Hätte ich damals gesagt, das wäre jetzt das Richtige, wir nehmen das jetzt als Theorie und richten uns danach, wäre mir meine ganze eigene Entwicklung verwehrt gewesen. Ich verwehre niemandem seine eigene Entwicklung. Dafür ist die große Seele zu groß. Ich füge mich nur in das, was da läuft. Und ich habe keine besonderen Absichten für die Zukunft. Ich freue mich, wenn etwas Gutes geschieht aus dem, was ich sehen konnte.

Hellinger stellt seine berufliche Entwicklung als einen singulären Prozess dar. Er spricht von einem individuellen Wachstum, das es nicht erlaube, den jeweils gegenwärtigen Stand als verbindliche Lehre zu postulieren.
Das enthebt ihn aber nicht der Verantwortung, eigene Irrtümer einzugestehen und sie zu benennen, was ich bisher nicht wahrgenommen habe.

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